Der durchschnittliche Koreaner

Wir haben alle schon von dem durchschnittlichen Deutschen gehört: Der deutsche Mann ist im Schnitt 1,79 m groß, 42 Jahre alt (da fühl ich mich gleich viel jünger) und dunkelblond. Die deutsche Frau wiederum ist 1,68 m groß, 45 Jahre alt und genervt von dem durchschnittlichen deutschen Mann. 😀 Was macht jetzt eigentlich den durchschnittlichen Koreaner aus?

Sämtliche Statistiken, die für den Menschen angestellt werden, basieren auf durchschnittlichen Werten. So auch die Berechnung der zulässigen Personenanzahl in einem Personenaufzug. Aus den Angaben über die maximale Personenanzahl und dem zulässigen Gesamtgewicht eines Personenaufzugs in Korea lässt sich ein durchschnittliches Personengewicht von etwa 67 kg berechnen.

Zulässige Personenanzahl und Gesamtgewicht in einem koreanischen Fahrstuhl

Im Vergleich dazu wird das durchschnittliche Gewicht eines Europäers mit 10kg mehr pro Person erfasst. Das ist insofern witzig, da es längst (vielleicht auch dem westlichen Fast-Food Einfluss gedankt) nicht mehr nur schlanke Koreaner und auch Koreanerinnen gibt. Und auch wenn die Körpergröße eines Koreaners im Durchschnitt unter der eines Europäers liegt, trifft man doch relativ häufig auf große Menschen. Meine Körperlänge beträgt nebenbei erwähnt 185 cm. Für mich zählt ein Mensch ab einer Körperlange von 175cm schon zu den Großen. Nichtsdestotrotz frage ich mich natürlich, wie man gleich 17 Koreaner in diesen kleinen Fahrstuhl bekommen hätte.

Mit meiner Körper- und Schuhgröße ist es übrigens in Korea nicht leicht, Kleidung zu kaufen. Schuhe größer einer Schuhgröße von 44 gibt es in den Kaufhäusern äußerst selten zu finden. Rückschluss daher ist, dass der durchschnittliche männliche Koreaner eine Schuhgröße unter 44 besitzt. Bei den Frauen haben sich keine Schuhe mit Größen über 40 durchsetzen können. Demnach wird man auch kaum eine Koreanerin mit Schuhgröße 41 finden.
Gleiches z.B. bei T-Shirts. Ich bin schon dankbar dafür, dass ich noch T-Shirts der Größe L finden kann, auch wenn diese in der Regel kleiner ausfallen als in Europa. Ich weiß noch nicht, wo der Trick bei der ganzen Sache ist, da es doch einige Koreaner meiner Statur hier gibt. Vielleicht ordern die ja ihre Kleidung generell über das Internet, aber auch da findet man nur äußerst selten die passenden Größen.

Beim Schreiben der ganzen Umlaute im letzten Abschnitt ist mir aufgefallen, dass der durchschnittliche Koreaner keine Umlaute auf seiner Tastatur hat…

Der durchschnittliche Koreaner ist, soweit ich das nach den ersten heißen Sommermonaten beurteilen kann, auch sehr temperaturempfindlich. Das kennen wir ja auch aus Deutschland. Der Winter ist viel zu kalt und kaum klettert das Thermometer mal in Richtung der 30°C Marke, ist es natürlich viel zu heiß. Wenn ihr wissen wollt, wie sich so ein richtig heißer Sommer in Korea anfühlt, dann kommt mal zwischen Anfang July und Ende August nach Süd-Südkorea. Dieses Jahr (Sommer 2013) hatten wir hier mehrere Wochen am Stück Temperaturen zwischen 30°C und 38°C. Selbst nachts sind die Temperaturen nur knapp unter 30°C gefallen. Stellenweise fragt man sich, ob die Temperaturen nicht nur zustande gekommen sind, weil alle Koreaner im Sommer ihre Wärmetauscher anschmeißen und damit die Luft nochmal zusätzlich aufheizen. Es ist keine Seltenheit, dass man bei Temperaturen von 35°C in ein Taxi einsteigt, in dem die Klimaanlage dann auf 18°C gestellt ist, oder das man im Restaurant schon anfängt zu frieren, sobald man es betritt. Verzichtet man auf Klimatisierung, läuft man zumindest nicht so oft in stehende warme Wände und am Ende kommt es einen nicht ganz so heiß vor. Ein bisschen Luftbewegung macht die Temperaturen bereits erträglich. Ich ziehe daher Ventilatoren den Klimaanlagen vor. Ein kleines Erlebnis war der Besuch in einem stets gut besuchten Restaurant in Guyeong-ri. In diesem ist die Klimaanlage ausgefallen und bereits beim Betreten des Restaurants wurde man ausdrücklich von den Angestellten auf diesen Sachverhalt aufmerksam gemacht. Wir haben uns davon natürlich nicht abhalten lassen und hatten so im Restaurant freie Platzwahl, was unter normalen Umständen dort schwieriger ist.

Bereits bei leichtem Regen öffnen sich in Korea die Regenschirme

Ähnlich wie mit der Temperatur ist es mit der Wahrnehmung des Regens. Manchmal habe ich schon das Gefühl, dass Koreaner die Regenschirme öffnen, sobald der Boden feucht ist. Deshalb gibt es wahrscheinlich auch an jeder Ecke welche zu kaufen. Eigentlich unverständlich, da es hier in Korea in der Regenzeit auch mal richtig aus Eimern gießen kann. In den heißen Sommermonaten empfand ich die kleinen Schäuerchen eigentlich als angenehme Abkühlung, nass war man ja vom schwitzen sowieso schon. 😀 Aber man kann den Koreanern sowieso nichts übel nehmen.

Die durchschnittliche Freundlichkeit eines Koreaners liegt im direkten Vergleich nämlich über dem Niveau eines Deutschen. Vielleicht empfinde ich so, weil ich vor meinem Aufenthalt in Ulsan, Südkorea den Großteil meiner Zeit in Berlin verbracht habe, vielleicht ist es aber tatsächlich so. In koreanischen Restaurants wird man jedenfalls stets freundlich bedient und selbst bei Kommunikationsschwierigkeiten verständigt man sich zur Not solange mit Händen und Füßen, bis man sich dem Gegenüber verständlich gemacht hat. Der ein oder andere wird jetzt natürlich denken, dass alle Menschen freundlich sind, solange diese etwas verkaufen wollen. Dem stimme ich mit meinem Erfahrungsschatz natürlich generell zu, jedoch sind koreanische Restaurants keine Einrichtungen, in die man sich ab und zu begibt, sondern eher täglich. Insofern ist man hier einer von vielen Gästen am Tag und fällt nicht ins Gewicht. In den Kaufhäusern könnte man jedoch auf die fast schon aufdringliche Freundlichkeit ab und zu auch verzichten. Vielleicht ist es auch wieder eine kulturelle Sache, scheinbar ist es jedoch nicht üblich sich in Kaufhäusern einfach nur umzuschauen. Alle 10-20 m findet man einen Mitarbeiter, der gern berät, sofern man der koreanischen Sprache mächtig ist. Das heißt natürlich nicht, dass du nicht auch auf Koreanisch beraten wirst, wenn du der Sprache nicht mächtig bist und dich einfach nur umschauen möchtest :D. Lieber jedoch so, als andersrum.
Auf Wanderungen wurde mir desweiteren schon mal u.a. Eiswasser, Mandarinen, Soju, Schokoriegel und Eiskaffee (also Kaffee mit Eiswürfeln drin, the amarican way) angeboten. Hier lohnt es auch gar nicht sich die Mühe zu machen, diese Angebote auszuschlagen. Als wohlgesinnter Landesgast nimmt man die Aufmerksamkeiten einfach mit einem freundlichen „Gamsahamnida“ (감사합니다) entgegen. Sorgen um die Reinlichkeit der Koreaner muss man sich übrigens, zumindest in den Städten, nicht machen. Das Motto für den Deutschen lautet „Wer Döner isst, überlebt auch das Essen vom Stand am Straßenrand“.

Meine Schilderungen über den durchschnittlichen Koreaner basieren natürlich auf subjektiven Empfindungen und persönlichen Erfahrungen. Am besten macht ihr euch selbst ein Bild.

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